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Die Finca und das Wetter - die Herausforderungen

19. März 2026 durch
Die Finca und das Wetter - die Herausforderungen
Adrianna


Kaffee und der Klimawandel – was wir auf unserer Finca erleben


Kaffee ist ein Landwirtschaftsprodukt – und damit immer vom Wetter abhängig. Als Kaffeebauern in Kolumbien erleben wir das hautnah. Aber was sich in den letzten Jahren verändert hat, geht weit über das normale Wetterrisiko hinaus.

Früher konnte man in Kolumbien grob kalkulieren: Alle fünf Jahre kommt entweder El Niño oder La Niña – zwei Klimaphänomene, die das Wetter in Südamerika spürbar durcheinanderwirbeln. El Niño bringt Trockenheit, La Niña bringt Starkregen und Überschwemmungen in Kolumbien. Man konnte sich darauf einstellen, vorausplanen, Risiken abfedern. Seit ungefähr 2020 hat sich das grundlegend geändert. Die Abstände zwischen den Extremereignissen sind kürzer geworden – wir rechnen heute alle eineinhalb Jahre mit einem extremen Wetterereignis. Das ist kein Einzelfall – Forschende befürchten, dass sich El-Niño- und La-Niña-Phänomene aufgrund des Klimawandels weiter häufen werden.


Was bedeutet das konkret für unsere Kaffeepflanzen? Die Arabica-Kaffeepflanze ist sehr sensibel und benötigt einen gewissen Trockenstress, um zu blühen. Unregelmäßige Regen- und Trockenzeiten haben erhebliche Auswirkungen auf die Kaffeesträucher – bleibt die Trockenzeit aus, blühen die Pflanzen weniger, was direkt zu einer geringeren Ernte führt. Steigen die Temperaturen über 30 Grad Celsius, geraten Kaffeepflanzen in Hitzestress – die Ernteerträge sinken, die Bohnenqualität leidet und die Pflanzen werden anfälliger für Krankheiten.


Das spüren wir auf unserer Finca Trujillo ganz direkt. Es gibt Jahre, in denen die Ernte gut ist – und Jahre, in denen wir schlicht nicht genug Kaffee aus unserem eigenen Anbau haben, um unsere Kunden zu versorgen. Das alles macht den Kaffeeanbau unvorhersehbar und extrem kompliziert für die Kaffeebauern. Die Praktiken, die früher gut funktioniert haben, greifen nicht mehr – man muss sich neu ausrichten, anpassen und vor allem darauf vorbereitet sein, dass größere Ernteausfälle jederzeit möglich sind. Ein gutes Beispiel ist das vergangene Jahr: Wie immer haben wir gespannt im ersten Quartal 2025 auf die Blüte gewartet, jedoch die ersehnte Trockenzeit ist ausgeblieben. Es hat überdurchschnittlich viel geregnet und entsprechend haben nur sehr wenige Pflanzen ihre Blüte entwickelt. Bei der Erntezeit in Q4 2025 war unsere Ernte quasi null. Trotzdem konnten einige von euch Anfang dieses Jahres, im Januar 2026, etwas vom Tabi und Borbón Rosado kosten, die eine kleine Produktion gebracht haben. Von unserem Castillo haben wir null Komma nichts bekommen.

Was wir auf unserer Finca erleben, ist übrigens kein Einzelschicksal. Die Federación Nacional de Cafeteros – die nationale Kaffeebauernvereinigung Kolumbiens, die über 560.000 Kaffeefamilien vertritt – berichtet selbst, dass das Klima ein entscheidender Faktor bleibt. Das Kaffeejahr Q3 2024 – Q3 2025 war mit fast 14,9 Millionen Säcken das ertragreichste seit 33 Jahren – doch das gilt nicht überall gleich. Kolumbien ist ein großes Land mit sehr unterschiedlichen Mikroklimata. Was in einer Region ein Rekordjahr war, kann in einer anderen Region eine Katastrophe sein. Für uns auf La Isabela und in unserer Region war letztes Jahr kein gutes Jahr – dieser Effekt wird sich in den neuen Zahlen der Federación mit einem Produktionsausfall von mehr als 20 % widerspiegeln, wenn der Zeitraum ab Q4 2025 einbezogen wird.

Wie es dieses Jahr wird, ist noch offen. Wir befinden uns gerade mitten in der Hauptblütezeit – von Januar bis Mai blühen die Kaffeesträucher in unserer Region. Es regnet wieder zu viel, und bis jetzt gab es keine Blüte. Wir beobachten die Entwicklung auf La Isabela gespannt und etwas besorgt. Wir hoffen, dass sich das Wetter noch reguliert und die Blüte sich endlich einstellt. Mehr als hoffen, beobachten und abwarten bleibt uns im Moment nicht.

Genau deshalb haben wir über die Jahre ein Netzwerk aus langjährigen Partnern und weiteren Kaffeebauern in Kolumbien aufgebaut – Menschen, denen wir vertrauen und deren Qualität wir kennen. So können wir auch in schwierigen Jahren sicherstellen, dass in eurer Tasse Kaffee landet, hinter dem wir mit unserem Namen stehen. Wir sind dankbar, dass ihr diesen Weg mit uns geht – gerade in Jahren wie diesem.